Gebärmuttersenkung

Ein gynäkologisches Beschwerdebild

21.05.2008 Barbara Kunick-Wünsche

Eine Gebärmuttersenkung ist für viele Frauen sehr beeinträchtigend. Es gibt jedoch zahlreiche Therapien, die Hilfe bieten

Eine Gebärmuttersenkung ist eine Lageveränderung der Gebärmutter (Uterus) auf Grund einer Beckenbodenschwäche. Das Organ senkt sich nach unten und stülpt sich in die Scheide. Bei einer ausgeprägten Senkung kann der Uterus sogar aus der Vagina herausragen. Hier spricht man dann von einem Gebärmuttervorfall, bzw. einem Uterusprolaps. Ein kräftiger Beckenboden ist die Grundvoraussetzung für die richtige Lageposition der Gebärmutter. Der Beckenboden bildet den Verschluss des kleinen Beckens. Er besteht aus mehreren Muskel- und Bindegewebsschichten. Die Beckenbodenmuskulatur hat auch Einfluss auf den Enddarm und den Schließmechanismus der Blase.

Gründe für eine Beckenbodenschwäche

Hauptsächlich Frauen haben eine Beckenbodenschwäche. Ein Grund dafür ist, dass durch Schwangerschaften und Geburten dieses Gewebe sehr belastet wird. Die dabei entstehende Dehnung bildet sich nicht immer komplett zurück. Es kann auch zu Einrissen mit anschließender Narbenbildung kommen, woraus auch eine Funktionseinschränkung resultieren kann. Mehrere Geburten innerhalb kurzer Zeitabstände, schwere Kinder und Mehrlingsschwangerschaften erhöhen das Risiko einer Beckenbodenschwäche mit einhergehender Gebärmuttersenkung.

Risikofaktoren für eine Beckenbodenschwäche, die außerhalb von Schwangerschaft und Geburt liegen, und demzufolge auch Männer betreffen können sind: dauerhaftes Tragen von schweren Lasten, chronische Verstopfung mit erschwertem Stuhlabgang, langandauernder Husten, Übergewicht. Bei all diesen Faktoren spielt die erhöhte Druckbelastung eine große Rolle.

Beschwerden und Symptome

Eine Gebärmuttersenkung muss nicht immer Beschwerden machen. Auch die Ausprägung der Symptomatik ist nicht immer abhängig vom Grad der Senkung. Mögliche Hinweise auf eine Gebärmuttersenkung können sein:

  • Blasenschwäche mit einhergehender Harninkontinenz (Unwillkürlicher Abgang von Urin)
  • Druckgefühl in der Scheide
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Rückenschmerzen
  • Schmerzen im Unterbauch
  • Unvollständige Blasenentleerung mit Restharnbildung
  • Schwierigkeiten bei der Stuhlentleerung

Bei einem regelrechten Gebärmuttervorfall in die Scheide kann es zur Veränderung des Scheidenmilieus mit daraus resultierenden Entzündungen kommen. Da sich die Gebärmutter nicht in ihrer physiologischen Lage befindet, kommt es zu mechanischen Reizungen, die Ursache für Druckgeschwüre und blutigen Ausfluss sein können.

Diagnose

Das Erkennen einer Gebärmuttersenkung- bzw. eines Vorfalls umfasst die Erstellung der Anamnese mit Abfragen der Symptome und Erfassung der Geburten. Bei der anschließenden gynäkologischen Untersuchung werden der Beckenboden und die inneren Geschlechtsorgane auch unter Pressen beurteilt. Wenn ein unwillkürlicher Abgang von Urin besteht, sollte der Restharn gemessen werden und gegebenenfalls noch eine ausführliche urologische Untersuchung mit Blasendruckmessung erfolgen. Dies ist besonders vor einer eventuell anstehenden operativen Therapie wichtig, um andere urologische Erkrankungen, die nicht mit der Gebärmuttersenkung in unmittelbarem Zusammenhang stehen, abgrenzen zu können.

Therapiemöglichkeiten

Bei der Behandlung der Gebärmuttersenkung unterscheidet man zwischen konservativer und operativer Therapie. Welche Möglichkeit gewählt wird, hängt vom Schweregrad der Senkung, der Ausgeprägtheit der Symptome, dem Alter und Allgemeinbefinden der Patientin und vom möglichen Kinderwunsch ab.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

Gute Erfolge bei leichtgradiger Senkung und geringer Inkontinenz. Die Behandlung umfasst zunächst die täglich auszuführende Beckenbodengymnastik, die sehr hilfreich gerade bei Blasenentleerungsstörungen ist. Als weitere Hilfsmittel werden spezielle Pessare oder Tampons eingesetzt. Eine Behandlung mit Reizstrom stärkt ebenfalls die Beckenbodenmuskulatur. Hierbei wird ein spezielles Gerät in die Scheide oder den Enddarm geführt, das mittels Stromimpulsen die Muskulatur zum Zusammenziehen anregt und dadurch stärkt. Patientinnen nach den Wechseljahren können ergänzend Hormone erhalten.

Operative Therapien

Operativ wird bei stärkeren Gebärmuttervorfällen bzw. Gebärmuttersenkungen behandelt. Es gibt mehrere unterschiedliche Verfahren. Welches angewendet wird, hängt immer ab vom jeweiligen Ausgangsbefund, dem Alter der Patientin und dem noch möglichen Kinderwunsch.

  • Vordere Scheidenplastik

Über die Scheide wird ein Zugang zur Harnblase geschaffen. Diese wird mit umgebendem Gewebe oder auch durch ein Kunststoffnetz stabilisiert und angehoben.

  • Hintere Scheiden-Damm-Plastik

Muskeln im Beckenboden und Dammbereich werden gestrafft, damit sich der Enddarm nicht mehr in Richtung Scheide vorwölbt.

Vordere Scheidenplastik und hintere Scheiden-Damm-Plastik werden oft miteinander kombiniert mit gleichzeitiger Verengung des Scheideneingangs.

  • Lateral-repair-Methode

Hier erfolgt der Eingriff über einen offenen Bauchschnitt. Die Scheidenseitenwände werden nach oben gezogen und im vorderen Beckenbereich verankert.

  • Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Bei ausgeprägter Senkung bzw. Vorfall der Gebärmutter ist eine Entfernung oft die beste Möglichkeit. Die Familienplanung sollte jedoch abgeschlossen sein oder die Patientin sollte sich schon im Klimakterium (Wechseljahre) befinden. Dieser Eingriff kann über einen offenen Bauchschnitt, aber auch über die Scheide oder sogar per Bauchspiegelung (Laparoskopie) erfolgen.

Welche Therapieform die beste ist, kann im einzelnen Fall nur ein fachkundiger Arzt beurteilen. Dabei sollte jedoch auch immer auf die Bedürfnisse und Vorstellung der Patientin eingegangen werden. Ein vertrauensvolles Aufklärungsgespräch in einer ruhigen, entspannten Atmosphäre kann viele Ängste und falsche Vorstellungen beseitigen.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel niemals fachlichen, ärztlichen Rat ersetzen kann!

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