Schweinegrippe, Impfung - Top oder Flop?

Deutsche haben mehr Angst vor der Impfung als vor Krankheit

19.10.2009 Jürgen Kadel

Erschreckende Zahlen, eine Umfrage von Infratest besagt, dass sich 39 Prozent der Befragten nicht gegen H1N1 impfen lassen wollen und 27 Prozent "wahrscheinlich nicht".

Nur wenige Bürger denken darüber nach, laut der Umfrage wollen sich immerhin 12 Prozent "ganz sicher", 19 Prozent "wahrscheinlich" gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Sicher, die von Infratest im Auftrag der ARD befragten eintausend Personen sind keine große Anzahl, dennoch zeichnet sich die allgemeine Stimmung ab. (Quelle: Infratest dimap)

Impfbeginn ab dem 26. Oktober 2009

Noch ist unklar, wie viele Menschen sich wirklich impfen lassen, zu stark die Verunsicherung, zu groß die Angst vor möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe. Man fühlt sich nicht wirklich bedroht durch die Krankheit mit dem etwas ungünstigen Namen. Aber Wissenschaftler denken kühl und vor allem logisch, so erhielt die Pandemie den unpopulären Namen Schweinegrippe, A/H1N1 ist da auch nicht wesentlich besser. Und Mexiko ist auch sehr weit weg von uns.

Medienpräsenz und Desinteresse

Vieles wurde in den letzten Wochen über die drohende Verbreitung der Krankheit in allen Medien berichtet, dank des ungeschickten Namens und widersprüchlicher Aussagen wird die Bevölkerung aber eher verunsichert. Hätte man die Schweinegrippe vielleicht besser "Volksgrippe" nennen sollen, frei nach dem Beispiel der Zeitung mit den sehr großen Buchstaben?

Früher war das anders, viele werden sich noch daran erinnern. "Kinderlähmung ist grausam", der Slogan zeigte Wirkung. Keine Spritze, sondern ein Zuckerwürfel. Und ein klarer Name, der machte Angst, zeigte die grausame Krankheit Polio unverblümt. Und sie betrifft vornehmlich Kinder, die muss man schützen. Heute ist man zu Recht stolz, die Kinderlähmung praktisch eingedämmt zu haben. Allein die Tatsache, dass man sich zwei Spritzen geben lassen muss, lässt so manchen zögern.

Zweiklassen-Impfstoff

Ganz erheblich zu der Unsicherheit trägt bei, dass es verschiedene Impfstoffe gibt. 50 Millionen Impfdosen von Pandremix wurden, auch eine Frage der Verfügbarkeit, bestellt nach der Empfehlung der Impfkommision STIKO (Epidemiologisches Bulletin 41/2009) Dieser Impfstoff enthält Wirkverstärker, in Abwägung von Nutzen und Risiko wird dieses Präparat empfohlen. Verunsichert wurden die Bürger, als bekannt wurde, dass für die Regierung und Bundeswehr das Celvapan bestellt wurde, ein Mittel ohne Verstärker. Besser erprobt und mit geringeren Nebenwirkungen.

In der Sendung am 19.10.09 um 20 Uhr berichtete der Deutschlandfunk, dass die Regierungsmitglieder keinen anderen Impfstoff bekämen, so Regierungssprecher Wilhelm. Ferner seien alle drei möglichen Präparate die in der EU zugelassen sind, in Wirkung und Verträglichkeit gleich gut. Eine aktuelle Zulassungsliste des Paul-Ehrlicher-Instituts listet die Mittel auf. Durch unterschiedliche Zuständigkeiten sind Unterschiede bei den Bestellungen möglich. Das Mittel Celvapan verzichtet dabei auf Adjuvanzen, in den Mitteln Pandremix und Forcetria sind diese Wirkstoffverstärker enthalten.

Da die Länder für die Versorgung der Bürger zuständig sind, wurde der Wirkstoff Pandremix bevorzugt bestellt, auf Bundesebene Celvapan.

Rasante Verbreitung

Wie im Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts vom 12.Oktober zu lesen ist, hat sich die Zahl der Erkrankten in Deutschland drastisch erhöht. 21.603 registrierte Fälle liegen vor. Vor wenigen Wochen waren die Zahlen bei knapp achttausend Erkrankungen. Die Art der Verbreitung des Influenzaerregers H1N1 sorgt dafür. Von Mensch zu Mensch, durch Händeschütteln, Niesen oder Husten. Also durch Tröpfcheninfektion. Durch Reisende kommt das Virus leicht nach Deutschland, man kann sich in der heutigen Welt nicht verschließen. Jeder, der sich infiziert hat, kann auch ganz leicht andere Personen anstecken. Was sich in der Geschäftswelt als Schneeballprinzip bewährt hat, funktioniert bei der Schweinegrippe umso besser. So ist es kein Wunder, dass sich die Erkrankungen so schnell ausbreiten.

Die Schweinegrippe wird unterschätzt

Die Versuchung ist groß, das Problem zu verdrängen. Wenn es soweit ist, kann man immer noch zum Arzt gehen. Niemand denkt aber daran, das er bereits vor Ausbruch der Symptome zur Gefahr für andere Personen wird. Gerade, wenn diese dann zur Gruppe der besonders gefährdeten Menschen gehören. Wer jung und sonst gesund ist, den trifft das Virus nicht so hart, wie den bereits geschwächten Patienten.

Mit Verantwortung anderen helfen

Jeder kann mit der Impfung seinen Teil dazu beitragen, dass die Folgen der Pandemie relativ klein bleiben. Die möglichen Nebenwirkungen sind ein geringeres Risiko als die Erkrankung selbst, und wenn es nicht die eigene Erkrankung ist, so hilft die Impfung denen, die wirklich stark gefährdet sind. So kann jeder seinen Teil dazu beitragen, auch wenn die Berichterstattung und verschiedene Diskussionen eher verunsichert haben. Die einfachen Maßnahmen zur Hygiene kann jeder ohne Probleme befolgen, wer mit sehr vielen Menschen zu tun hat, der sollte sich auch impfen lassen. Nicht nur für sich, die gesamte Gemeinschaft profitiert davon.

Weiterführende Informationen über die Schweinegrippe und deren Symptome helfen bei der Entscheidungsfindung. Auch die Meldungen des Robert-Koch-Institutes klären ausführlich auf. Ebenso die Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit mit Hotlines für besorgte Bürger.

Krankheiten werden immer erst dann gefährlich, wenn man sie unterschätzt. Jeder sollte sich noch einmal einen Ruck geben und sich informieren. Ignorieren kann auch krank machen.

Beachten Sie bitte, dass ein Suite-101 Artikel niemals einen ärztlichen Rat ersetzen kann.

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H1N1 Virus, Centers for Disease Control and Prevention H1N1 Virus